Comenius Projekt: „Alles hat seine Zeit“
Sokrates, das erstmals 1995 gestartet wurde, soll unter anderem die Zusammenarbeit und Mobilität fördern und die europäische Dimension in der Bildung stärken.
Comenius ist auf die Schulbildung ausgerichtet und verfolgt vier Grundziele: Erstens versucht es, die Qualität der Schulbildung zu verbessern, zweitens deren europäische Dimension zu stärken, drittens fördert es den Fremdsprachenerwerb und viertens sensibilisiert es das interkulturelle Bewusstsein.
Die Grundschule Scheeßel hat sich mit drei anderen Nationen zum Ziel gesetzt, durch Treffen mit Kollegen aus den drei europäischen Ländern einen Einblick in verschiedene Bildungssysteme und Lehrmethoden zu erhalten, die zu innovativen Unterrichtskonzepten führen können.
Lehrerinnen und Lehrer erwerben neue Kenntnisse, die sowohl für das berufliche als auch für das private Leben wichtig sind, z.B. Kommunikations- und Vermittlungsfertigkeiten, Entscheidungsfindung, Problem- und Konfliktbewältigung, Kreativität, Teamarbeit und Solidarität. Sie erhalten Einblicke in neue Fremdsprachen oder praktizierten bereits erlernte Sprachen. Persönliche Entfaltung und Leistung steigern die Motivation auf beiden Seiten.
Die Schulen profitieren vom Motivationsgewinn der Lehrer und Schüler sowie der entsprechenden Interessen- und Leistungssteigerung bei den Schülern. Das Kennenlernen verschieder Praktiken europäischer Schulen und die Suche nach gemeinsamen Lösungen für gleiche Probleme geben Impulse für neue Verwaltungs- und Problemlösungssätze im gesamten Schulbereich.
Eltern profitieren davon, dass ihre Kinder in der Schule interessierter, motivierter und erfolgreicher sind. Ferner erhalten sie - zusammen mit den Schülern und Lehrern – die Gelegenheit, ihren Horizont zu erweitern, indem sie verschiedene Länder, Kulturen und Denkweisen kennen lernen. Dies hilft den Schülern, sich zu Persönlichkeiten zu entwickeln, die von anderen lernen und positiver mit Verschiedenheit und Andersein umgehen können.
Im Mai 2006 haben sich erstmals alle am gemeinsamen Projekt interessierten Länder in Scheeßel getroffen, um das Thema „Alles hat seine Zeit“ gemeinsam vorzubereiten. Folgende Länder sind nun Teilnehmer und haben die nötigen finanziellen Mittel erhalten:
- Deutschland
- Frankreich
- Holland
- Estland
Schwerpunktmäßig werden im ersten Jahr die teilnehmenden Schüler Informationen über Persönliches aus ihrem privaten sowie schulischen Umfeld austauschen. Hinzukommen werden landestypische Sitten und Gebräuche, die den Jahreszeiten zugeordnet werden, d.h., die Schüler nehmen sich Zeit, einander kennen zu lernen.
Im zweiten Jahr werden verstärkt elektronische Medien genutzt, durch die die Schüler ihre Informationen austauschen können. Am Ende werden Internetkonferenzen stehen, bei denen die Schüler live erleben, was in den Partnerschulen aktuell unterricht wird. In der gemeinsamen Abschlussveranstaltung werden Schüler aller Länder ein gemeinsames Abschlusstreffen gestalten. Dies wird sich über drei Tage in Veendam/Holland und drei Tage in Scheeßel erstrecken.
Vom 22.–25.11.2007 trafen sich alle Projektteilnehmer in der Partnerschule in Veendam/Holland um die ersten Arbeitsergebnisse der Schüler auszutauschen. Der Inhalt des ersten Themas „Was mache ich mit meiner Zeit“ wurde belegt von interessanten Schülerarbeiten sowie Fotomappen der einzelnen Schulen.
Das
zweite Projekt-Thema „Ich freue mich auf eine besondere Jahreszeit“
wurde u.a. belegt durch aussagekräftige Informationen über typische
Jahreszeitenfeste, in Form von Foto-CDs Die Grundschule Scheeßel leitete
ein Comenius-Projekt und DVDs. Aufgefordert wurden auch alle Eltern der
Scheeßeler Grundschüler sowie weitere Interessierte sich an dem Projekt
zu beteiligen, indem sie die typischen Jahreszeitenfeste filmen und den
anderen Ländern zwecks Austausch zu Verfügung stellen.
Das
dritte Projekt-Thema „Ich vergleiche meiner Zeit heute mit der Zeit
meiner Vorfahren“ wurde in eine Projektwoche eingegliedert, zu der auch
ältere Bürger in die Schule kamen und sich von den Grundschülern zum
Thema interviewen ließen. So berichtete z.B. Erwin Schneider aus
Scheeßel den Schülern, dass er den weitesten Schulweg hatte, den er
immer mit seinen fünf Geschwistern gegangen war, jedoch nie zu spät
gekommen sei.
„Ein anderer Junge jedoch, wohnte oben in der Schule und ist immer zu spät gekommen“. Auf die Frage eines Viertklässlers, was denn früher anders war, antwortete der Befragte: “Wenn ein Schüler einem anderen vorgesagt hatte, schlug ihn der Lehrer hinter die ´Löffel`. Geschrieben wurde mit Griffeln auf Schiefertafeln. Schulbücher mussten wir uns teilen, manchmal sogar zu dritt.“ Ähnliches ließen sich auch die Schüler aus den anderen beteiligten Ländern berichten.
Während
dieses länderübergreifenden Projektes fanden mehrere gegenseitige
Besuche statt. Zu dem Treffen in Frankreich fuhren auch Schüler der
Partnerländer mit ins Elsass um einiges aus ihrem Schulalltag zu zeigen
und am dortigen Unterricht teilzunehmen. „Die Klassenräume sind hier
viel größer als bei uns und haben einen riesigen Bereich um zu spielen,
basteln oder Versuche zu machen“, berichtete Ole aus der damaligen 4.
Klasse begeistert nach der Fahrt.
Zum
4. Thema „Ich bin kreativ und Europa schaut zu: Zeit der modernen
Kommunikation“ wurde eine Live-Schaltung über Skype in einen
holländischen Klassenraum geschaltet.
Mit
dem 5. Projekt-Thema „Wir planen die Zeit unserer Begegnung“ wurde
unser zweijähriges Projekt mit einer besonderen Begegnung in Holland und
in Deutschland abgeschlossen, an dem aus den beteiligten Länder je 20
Schüler und weitere Erwachsene anreisten. Alle Nationen zum Abschluss in
Scheeßel Komplette Comenius-Gruppe in Villes Kulturhaus „Besonders das
Trommeln auf der Bühne hat mir in Holland gut gefallen, berichtete Nina
aus der 3e, „auch, wenn es wie aus Badewannen geregnet hat!“
Das
Fest in Deutschland war der absolute Höhepunkt des gesamten Projektes.
Begonnen wurde es mit einem großen Spielenachmittag, an dem alle 80
„Comenius- Kinder“ sowie alle weiteren Schüler und Geschwisterkinder der
GS-Scheeßel teilnahmen. Durch Besuche des Vogelparks Walsrode oder
wahlweise des Hamburger Hafens und Rundgang durch Scheeßel mit
Besichtigung des Meyerhofes wurde die Begegnung interessant gestaltet.
Während des wunderschönen Abschlussabends zeigten alle Länder unter
großem Applaus ihr Können auf der Scheeßeler Bühne.
Erika Mlayah-Petersdorf
23.01.2011